Wenn etwas Wichtiges, Großartiges oder Schreckliches in der Welt geschieht, suche ich in den Sternen nach einer Erklärung: Lässt sich in dem Geschehen etwas erkennen, was für uns und unsere Zukunft wertvoll ist?
Natürlich lässt sich im Nachhinein nichts verändern. Und ist etwas so Schlimmes geschehen wie der Amoklauf zu Beginn letzter Woche, dann lässt sich damit auch kein Trost für die Opfer und deren Angehörige finden. Und erst Recht nicht eine Entschuldigung für den Täter.
Es ist auch nicht Neugierde, die mich dazu veranlasst, die Sterne zu Rate zu ziehen. Auch astrologische Fachsimpelei liegt mir fern.
Vielleicht ist es meine Art der Teilnahme.Am Montag, den 16.4., morgens, erschießt ein junger Mann zunächst eine Frau und einen Mann. Danach mordet er weitere dreißig Menschen, zumeist Studenten.
Ich betrachte das kosmische Bild für Montagmorgen 10:00. Am auffälligsten ist ein Quadrat zwischen Mars und Venus. Dieses Quadrat breitet sich so aus, dass Venus zu Beginn des Schreckens am Aszendenten, Mars in der Nähe des MC stehen. Das sind bedeutsame Punkte, sodass man sich auf dieses Quadrat zwischen Mars und Venus tiefer einlassen muss:
Mars befindet sich in den Fischen. Darauf habe ich immer wieder in der Astrowoche und auch in meiner April-Analyse auf meiner Homepage verwiesen, dass diese Marsposition äußerst schwierig ist. Dieser Mars kann sich nicht leben. Er muss sich seiner Natur entledigen, das heißt, er darf nicht heftig und kämpferisch auftreten. Er muss friedlich, ja spirituell werden, was einem Mars einfach nicht liegt.
Mars verleiht uns ein Ich, noch besser ein Ego: „Ich bin wer!“ oder „Schaut her, da bin ich!“ Das sind Sätze, die von einem ungebremsten Mars stammen.
Wenn aber der Mars in den Fischen steht, so wie jetzt, dann verhallen diese Rufe. Sie gehen unter.
Das kann bei einem Menschen, der ohnehin ein schwaches Ich hat, dazu führen, dass das nicht erhörte Ich beginnt, sich anderweitig Gehör zu verschaffen. Ich bin während meiner Tätigkeit als Therapeut immer wieder Menschen mit einer Ich-Schwäche begegnet, die – um sich wichtig zu machen – eine Tat begingen, die ihnen Aufmerksamkeit verlieh, ihnen also ein Ich gab: Sie nahmen Drogen, betrogen jemanden, verletzten sich sogar selbst. Das ist ein Aufschrei aus der Tiefe. Das Ich wurde solange unterdrückt, dass es sich jetzt verselbständigt. Und es kann zum Monster werden, wie wir in dieser Woche auf schreckliche Weise erlebt haben.
Menschen mit einem unterdrückten Ich wurden in ihrer Kindheit klein, unmündig und unselbständig gehalten. Und zugleich erwartet man Großes von ihnen.
Genau das geschieht aber an den Schulen: Die Kinder und Jugendlichen werden unterdrückt, gemaßregelt, klein gehalten – und zugleich erwartet man Großes von ihnen. Wenigstens das ist keine Überraschung für mich, dass das unterdrücke Ich immer an Schulen „explodiert“.
Am Tag des Massakers konfrontiert sich Mars in den Fischen mit Venus. Bei dem Mörder, der längst gegen sein unterdrücktes Ich verloren hatte, kommt es zur Apokalypse:
„Ihr habt mich nie gehört! Ihr denkt immer nur an euch selbst! Ihr seid falsch und verlogen! Jetzt werdet Ihr mich nie mehr vergessen!“
Sein Hass gilt den Frauen, die ihn ausgelacht haben. Sein Hass gilt der Schule und den Mit-Studenten, weil sie ihn nie ernst genommen haben. Sein Hass gilt der Gesellschaft, die morbid ist.
Er wird zum Monster. Zum schwarzen Racheengel. Genau als die Sonne im Widder über den Horizont geklettert ist, zieht das Ungeheuer in ihm in den Krieg. Das Geschwür hat einen Weg gefunden. Es ist geplatzt.
Und lässt tote und fassungslose Menschen zurück.
Wenn wir irgendwann den Schock einigermaßen verarbeitet haben, müssen wir uns fragen, was anders werden muss.
Meine Antwort ist die eines Astrologen und Psychologen: Wir müssen lernen, unseren inneren Gefühlen eine Stimme zu verleihen.
Wir dürfen sie nicht abkapseln.
Wir müssen lernen uns selbst anzunehmen, uns selbst ein Ich zu schenken.
Wir müssen einen Weg finden, wie wir unsere Frustrationen erlösen können – ohne dass sie uns oder jemanden anderen krank machen.
Mars befindet sich jetzt noch den ganzen April und fast den ganzen Mai über in den Fischen. Er wird weiter für unkontrollierbare Entladungen sorgen. In meiner Monatsanalyse zur Stierperiode finden Sie die Zeitpunkte, an denen der Mars ganz besonders gefährlich ist.
Ich bitte Sie, sorgfältig zu Ihnen selbst und Ihren Lieben zu sein. Seien Sie achtsam. Geben Sie Ihrem Ich Liebe. Und achten Sie das Ich Ihrer Mitmenschen!